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Tierisch viel los in der Bibel

Im "Buch der Bücher" wird viel gebrüllt, gekreischt, gemäht und ein klein wenig miaut. Aber was bedeutet der ganze Bibel-Zoo eigentlich?

Lesen Sie auch: Gottes tierische Botschafter in GGM 1/26, S. 40

 

Der Adler: Macht und Schutz

 

Der stolze Adler ist oft ein Symbol für Stärke, Mut und Macht – wie etwa in Wappen. In der Bibel wird das Nest des Adlers und seine Flügel als Zeichen des Schutzes und der Geborgenheit gesehen (z.B. Ex 19,4). Im Kirchenlied "Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren" lautet es so schön: 

 

Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret, / der dich auf Adelers Fittichen sicher geführet, / der dich erhält, / wie es dir selber gefällt. / Hast du nicht dieses verspüret?

 

Der Adler dient als Symboltier des Evangelisten Johannes: Dieser beschäftigt sich besonders mit der Göttlichkeit Jesu und damit mit dem Himmel – wo der Adler zu Hause ist. Auch als Symbol für Verjüngung und Wiedergeburt macht sich der Adler gut. In Psalm 103 heißt es: „... der dich dein Leben lang mit Gaben sättigt, wie dem Adler wird dir die Jugend erneuert."

 

Allerdings weiß man nicht ganz genau, ob in der Bibel wirklich immer der Adler gemeint ist. Nachdem er im Flug tatsächlich nicht gut zu unterscheiden ist, könnte das eine oder andere Mal ein Geier gemeint sein.

 

Die Ameise: ein kleines Vorbild für die Faulen

 

Die Ameise steht gemeinhin für Fleiß, Kooperation und große Stärke im Kleinen. In der Bibel wird dem Faulen die Ameise als Vorbild präsentiert (Spr 6,6) – und das, ohne einen Anführer oder Aufseher zu haben. Sie sammelt zur Erntezeit Vorrat, ist also sehr strukturiert und klug.  

 

Eine nette Ameisengeschichte enthält der Koran (Sure 27): Während des Feldzugs des König Salomon, der die Sprache der Tiere versteht, warnt eine Ameise ihre Artgenossinnen, in Deckung zu gehen, um nicht vor der nahenden Armee Salomons totgetrampelt zu werden. In späteren Geschichten heißt es, dass Salomon seinen Männern befahl, zu warten, bis sich die Ameisen in Sicherheit gebracht hätten.

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    Der Esel: ein gesprächiges Friedenssymbol

     

    Sanftheit und Demut symbolisiert der Esel in der Bibel als Gegensatz zum heroischen Pferd. Damit gilt er auch als Friedenssymbol. Beim Einzug in Jerusalem am Palmsonntag (Mt 21,1-11) haben eine Eselin und ihr Fohlen ihren großen Auftritt. Prophezeit wird das übrigens schon im Buch Sacharja im Alten Testament (Sach 9,9): "Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir. / Gerecht ist er und Rettung wurde ihm zuteil, demütig ist er und reitet auf einem Esel, / ja, auf einem Esel, dem Jungen einer Eselin."

     

    Wer eine weitere spannende Eselinnen-Story lesen will, sollte die Geschichte des Sehers Bileam (Num 22) nicht verpassen – nur so viel sei verraten: Die Eselin bekommt darin sogar eine menschliche Stimme.

     

    Die Mär vom "störrischen Esel" ist übrigens "Fake": die intelligenten Tiere denken einfach gerne nach, bevor sie etwas tun. Das braucht eben ein bisschen Zeit. Ebenfalls "Fake": Esel und Ochs an der Krippe. Im "Buch der Bücher" kommen die beiden nämlich gar nicht vor.

     

    Der Fisch: Code und Kultur

     

    Als die frühen Christinnen und Christen in Rom noch verfolgt wurden, war der Fisch ihr "Code": Wenn sie sich vor Glaubensgeschwistern zu erkennen geben wollten, zeichneten sie einen Bogen in den Sand und das Gegenüber vervollständigte die angefangene Zeichnung mit einem zweiten Bogen zu einem Fischsymbol. Das griechische Wort für Fisch, ichthys (ΙΧΘΥΣ) steht als Akronym für Jesus Christus, Gottes Sohn, Erlöser.

     

    Der See Genezareth als Hauptkulisse des Wirkens Jesu bedingt einen starken Fokus auf das Handwerk der Fischer und alles, was damit zu tun hat: Boote, gute und schlechte Fischzüge, Netze, Wasser, Wind und Wetter, der Fisch als zentrales Nahrungsmittel. Seine Jünger macht Jesus zu "Menschenfischern" (Mk 1,16-20). 

     

    Der Hund: kein niedlicher Gesellschafter 

     

    45 Mal wird der Hund in der Bibel genannt. Im Gegensatz zum entzückenden Exemplar in unserer Fotostrecke wird er aber meist als zähnefletschendes, unwertes Tier erwähnt, sein Name dient als Schimpfwort. "Du Hund!" wird nur noch von "Du toter Hund!" in seiner Abschätzigkeit übertroffen, wie etwa in 2 Sam 16,9: "Warum flucht dieser tote Hund meinem Herrn, dem König? Ich will hinübergehen und ihm den Kopf abschlagen." Die Hunde, die hier das Bild prägen, sind halbwilde, streunende Hunde, die in Städten und rundherum heulten, kläfften und alles fraßen, was sich ihnen darbot, zum Beispiel Aas und Leichen (z.B. 1 Könige 21). Gut, dass sich das Bild hin zum treuen Gefährten des Menschen geändert hat!

     

    Das Kamel und die Sache mit dem Öhr

     

    Im Nahen Osten des Altertums, dem Schauplatz des Alten Testamentes, war das Kamel neben dem Esel das übliche Reit- und Transporttier. Deshalb wird es in der Bibel oft erwähnt (z. B. Gen 24,61). 

     

    Berühmt wurde das Kamel sprichwörtlich durch das Nadelöhr: "Leichter geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt", heißt es in Markus 10,25. Einige vermuten, dass ursprünglich ein Seil (griech. kamilos) gemeint war, das mit Kamel (kámêlos) verwechselt wurde. Das Unterfangen wäre ähnlich schwierig, aber nicht derartig artfremd. Der Legende nach gab es in Jerusalem ein kleines Tor („Nadelöhr“), durch das man nur mit größter Anstrengung ein Kamel durchbrachte - eine weitere Interpretationsmöglichkeit. 

     

    Sehr schön ist ein Zitat aus dem Matthäus-Evangelium, in dem Jesus Schriftgelehrte und Pharisäer zurechtweist (23,24): "Blinde Führer seid ihr: Ihr siebt die Mücke aus und verschluckt das Kamel" – quasi Balken im Auge (Lk 6,41), nur mit Tieren.

     

    Das Lamm: unschuldiger Sieger der Herzen

     

    Im jüdischen religiösen Leben spielte das Opfern von Lämmern eine große Rolle. Im Tempel wurden sie für die Sünden der Menschen dargebracht. Damals war man davon überzeugt, dass Schuld und Sünde so schwer wiegen, dass man nur durch das Opfern eines unschuldigen Tieres tiefe Reue beweisen kann. Schon der Prophet Hosea hielt das nicht für eine besonders gute Idee (Hos 6,6): "Denn an Liebe habe ich Gefallen, nicht an Schlachtopfern, / an Gotteserkenntnis mehr als an Brandopfern." – quasi "tätige Reue" anstatt sich "freizukaufen".

     

    Jesus ist ein solches "Opferlamm", das als Gottes Sohn durch seinen Kreuzestod die Sünden der Welt wegnimmt, damit wir mit Gott versöhnt sind. Im Alten Testament wird das bereits von Jesaja (Jes 53) prophezeit. Das zu verstehen, ist nicht einfach. Gott opfert seinen Sohn? Das klingt ziemlich brutal. Viele Theologen versuchen, das zu erklären, und es gibt unterschiedliche Ansätze dazu. Am ehesten könnte man sagen: Jesus als "Gotteslamm" lädt die Schuld der ganzen Welt auf sich, um Platz für den neuen Weg der Liebe zu machen. Der "alte" Weg der Gewalt muss weichen. Das "Agnus Dei", wie es auf Latein heißt, wird mit der Siegesfahne dargestellt, nicht ein gemeinhin "starkes" Tier wie der Löwe. Love rules! Sehr revolutionär, damals wie heute.

     

    Der Löwe: gut gebrüllt, aber auch nur ein Kätzchen

     

    Löwen sind mutig und stark und stehen symbolisch für Herrscher und Krieger. Ihr Gebrüll löst Angst aus (Am 3,8). Beim gottesfürchtigen Daniel werden die mächtigen Tiere in der Löwengrube allerdings durch Gottes Hilfe zu Schmusekatzen (Dan 6). Apropos Katzen: In der Bibel ist unser Haustieger überhaupt nur ein einziges Mal erwähnt. Baruchs Spottrede im Alten Testament bezieht sich auf unnütze Götterbilder, die in den Tempeln verstauben und auf denen sich Fledermäuse, Vögel und Katzen niederlassen (Bar 6,21).

     

    Der Löwe steht für den Evangelisten Markus: Er wurde als "Stimme eines Rufers in der Wüste" mit dem Löwen assoziiert (Mk 1,3). Markus starb als Märtyrer unter Kaiser Nero. Seine sterblichen Überreste wurden nach Venedig überstellt, dessen Symbol deswegen ebenfalls der Löwe ist.  

     

    Das Nilpferd: Ungeheuer stark

     

    Das Nilpferd als solches kommt in der Bibel nicht in jeder Übersetzung namentlich vor, aber bei Ijob 40,15 gibt es ein Ungeheuer namens "Behemot", das so ausführlich beschrieben wird, dass man nicht daran vorbeikommt, in ihm ein Nilpferd zu sehen. "Stärke in den Muskeln seines Leibes", "Es lagert unter Lotusbüschen" oder "Wenn auch der Fluss anschwillt, es zittert nicht" und viele andere Eigenschaften deuten darauf hin. Behemot, das Wassertier, und Laviatan, das Landtier – wohl ein Krokodil – sind zwei gewaltige Tiere, die Gott geschaffen hat, um seine Größe und Schöpfermacht gegenüber Hiob zu demonstrieren.

     

    Die Schlange: klug und gefährlich

     

    Die falsche Schlange, die eine entscheidende Rolle bei der Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies spielt (Gen 3,1-24), ist wohl eines der bekanntesten Tiere der Bibel. Ein Tier, das sprechen kann und noch dazu über den Baum der Erkenntnis bescheid weiß, kann wohl nicht ganz doof sein! Klug, aber verschlagen und als das pure Böse, der Satan und Gottes Gegenspieler schlängelt sie sich durch viele Kapitel - bis zum Schluss (Offb 20,2). 

     

    In den Psalmen (Ps 140,2-4) wird Gott von David angefleht, ihn vor den "Schlangen" zu retten: "Rette mich, HERR, vor dem bösen Menschen, vor dem Mann der Gewalttaten bewahre mich, vor denen, die Böses im Herzen sinnen, jeden Tag schüren sie Kriege! Sie schärfen ihre Zunge wie eine Schlange, Viperngift ist unter ihren Lippen."

     

    Aber auch als Vorbild dienen die Schlangen: "Seid klug wie die Schlangen", sagt Jesus zu den Jüngern im Matthäus-Evangelium (10,16). 

     

    Die Taube: schöne Friedensbringerin

     

    In der römischen und griechischen Mythologie gilt die Taube als Symbol für Liebe und Schönheit – kaum zu glauben, sind Tauben in Städten doch heute eher ein Symbol für Dreck und Ungeziefer. Das Schnäbeln der Tauben bei der Paarung wurde als Küssen interpretiert – da liegt zweifelsohne Liebe in der Luft. Im Hohelied, das generell voll ist mit Tieren, deren Liebessymbolik heutzutage eher befremdlich wirkt, heißt es etwa: "Siehe, schön bist du, meine Freundin, siehe, du bist schön. Deine Augen sind Tauben." (Hld 1,15) Die Tauben können dabei als Botinnen der Liebe angesehen werden, sie versprechen sozusagen Liebe, denn sehen kann man diese leider nicht.

     

    Die Idee zur Darstellung der Taube als Friedenssymbol hat sich Pablo Picasso 1949 aus der Bibel geholt (Gen 8,8): Noah, einer der Gerechten, ist nach der Sintflut mit seiner Arche auf der Suche nach Land. Er schickt erst einen Raben, dann eine Taube als Kundschafterin aus. Beim zweiten Versuch kehrt sie mit einem Ölzweig im Schnabel zurück, beim dritten Mal ist sie verschwunden. Endlich kann die Arche verlassen und wieder fester Boden betreten werden, Gott schließt damit Frieden mit der zur Sünde neigenden Menschheit.

     

    Der Wal: Dreifach-Ungeheuer mit Schluckauf

     

    Der griechische Dichter Homer war der erste, der über den Wal im Mittelmeer schrieb. In der Mythologie hatte er als großes weibliches Ungeheuer Keto Platz und wurde auf Vasen und Reliefs abgebildet.

     

    Die Bibelübersetzung von Martin Luther beinhaltet großes Walvorkommen, fasste er doch mehrere Arten von großen Wasserlebewesen zusammen. Im Hebräischen gab es nämlich kein Wort für Wal. Die drei Bezeichnungen Tannin (schlangenartiges Seeungeheuer), Leviathan (eine Art Drache), und "Großer Fisch" wurden von Luther als "Walfisch" alle in einen Topf geworfen. Kein Wunder, der Wal war ihm sogar körperlich nahe. Er besaß nämlich einen Fußschemel aus Walwirbel.

     

    Der "große Fisch" ist es auch, der den Propheten Jona verschlingt (Jon 1-2). Der Herr beauftragt Jona, in die verruchte Stadt Ninive zu gehen und die sündigen Bewohner zur Umkehr zu bewegen: Jona hat keine Lust auf den Job und besteigt ein Schiff in die gegengesetzte Richtung. Gott drückt aber kein Auge zu und schickt einen heftigen Sturm. Die verzweifelten Seeleute erkennen Jona als den Schuldigen - er wird von Bord geworfen. Das Meer hört augenblicklich auf zu toben und Jona wird von einem "großen Fisch" geschluckt, der ihn nach drei Tagen in seinem Bauch an Land ausspuckt und so rettet. Zahnwale wie Pottwale können übrigens tatsächlich einen Menschen in ihr Maul nehmen. Verschluckt zu werden ist allerdings biologisch ziemlich unwahrscheinlich, Menschen schmecken dem Wal einfach nicht ...

     

    Auf Jonas drei Tage der Dunkelheit im Wal-Bauch wird auch im Matthäus-Evangelium hingewiesen – auch Jesus, der Menschensohn werde drei Tage "im Herzen der Erde" verbringen (Mt 12,40).

     

    Katrin Leinfellner

     

    Biblische Tier-Hitparade

     

    Wie oft kommt welches Tier in der Bibel vor?
    aus: "Tierisch gut" von Paul M. Zulehner (Patmos)

     

    SCHAFE (301), RINDER (213), WIDDER (208), VIEH (195), LAMM (171), LÖWE (166), ESEL (150), VOGEL (150), ZIEGEN (141), PFERD (134), STIER (109), FISCH (107), SCHLANGE (69), BOCK (68), KAMEL (64), TAUBE (64), KALB (55), HEUSCHRECKE (51), JUNGSTIER (51), HUND (46), ROSS (42), DRACHE (36), KRIECHTIERE (30), SCHWEIN (26), OCHSE (25), WILDTIERE (25), ADLER (23), HUHN (23), HIRSCH (22), WURM (21), AAS (20), Gazelle (19), MAULTIER (19), SCHAKAL (19), SKORPION (17), RAUBVOGEL (16), GEIER (14), ELEFANTEN (14), WOLF (12), EULE (11), Strauß (8), Panther (8), HYÄNE (7), BIENE (6), Hengste (6), Storch (6), FALKE (5), MÄUSE (5), STEINBOCK (4), BÜFFEL (3), Krokodil (3), Larve (3), MÜCKE (3), Rebhuhn (3), Fledermaus (2), Made (2), MAULWURF (2), Milan (2), Nager (2), Chamäleon (1), Igel (1), Katzen (1), Klippdachs (1), Leopard (1), Nilpferd (1), Salamander (1), Wespen (1).

     

    Bei Nennungen, die in Großbuchstaben geschrieben sind, wurden Wortvariationen zusammengezogen.

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